Io – Die Geliebte des Zeus

Jupiter und Io, geliebte des Zeus, Nymphe
Quelle: Godfried Maes, CC0, via Wikimedia Commons

Zeus bringt Io in seine Gewalt

Io ist in der griechischen Mythologie eine Nymphe und die Tochter des Flussgottes Inachos, des Königs von Argos. Sie war neben Europa, Semele oder auch Kallisto eine der zahlreichen Geliebten des Zeus‘ und außerdem eine Priesterin seiner Ehefrau und Schwester Hera.
Mit ihrer Schönheit zog sie Zeus‘ Aufmerksamkeit auf sich und so verwandelte er sich in einen Menschen, um sie zu verführen. Als er ihr offenbarte, wer er sei, floh sie vor ihm. Der abgewiesene Zeus wollte sich nicht damit abfinden und hüllte deshalb alles in dichten Nebel. Auf diese Weise konnte er Io in seine Gewalt bringen und gegen ihren Willen mit ihr schlafen. Doch der Nebel am helllichten Tage erregte Aufmerksamkeit, vor allem bei Hera. Die misstraute ihrem Gatten auf Grund seiner zahlreichen Liebschaften so sehr, dass sie sich auf der Stelle auf die Suche nach ihm begab. Der wiederum ahnte, dass Hera ihn suchen würde und verwandelte Io, damit Hera sie nicht bestrafe könne, in eine sehr schöne, strahlendweiße Kuh.

Jupiter und Io, geliebte des Zeus, Nymphe
Quelle: Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons

Hera bestraft Io

Hera aber durchschaute ihren Ehemann und bat darum, dass Zeus ihr die Kuh schenkte, weil sie so hübsch sei. Nun saß Zeus in einer Zwickmühle – Gab er Hera die Kuh, so verlöre er seine Geliebte, gab er sie ihr nicht, würde Hera misstrauisch werden. Aus diesem Grund entschied er sich schweren Herzens dazu, die Kuh abzugeben. Hera, die ihren Mann ja durchschaut hatte, wollte die geliebte des Zeus in Gestalt der Kuh leiden lassen. Daher beauftragte Hera sofort Argos – denn wer könnte eine bessere Wache sein als ein hundertäugiger Riese? –, die Kuh zu bewachen. Von Argos stammt übrigens der Ausdruck: Etwas mit Argusaugen bewachen. Auf Befehl von Hera hin, zog er mit der Nymphe in Kuhgestalt umher und kam auch in deren Heimat. Dort begegnete sie auch ihrer Familie und ihr Vater streichelte die bildschöne Kuh, ohne zu wissen, wer sie in Wirklichkeit war. Io kam dann die Idee, mit dem Huf Schriftzeichen in den Sand zu schreiben. So konnte Inachos seine Tochter erkennen, doch Argos, der dies bemerkt hatte, führte sie wieder fort auf einsame Weiden. Auf Grund ihrer ausweglosen Lage wurde Io sehr unglücklich. Zeus, der das Leiden der Nymphe nicht mehr ertragen konnte, schickte Hermes aus, um Argos zu töten und Io auf diese Weise zu befreien.

Die Geschichte von Syrinx und Pan

Um Argos einzuschläfern verwandelte sich Hermes in einen Hirten, spielte ihm eine schöne Melodie und erzählte ihm noch die Geschichte über die Entstehung der Panflöte:
Einst lebte in den kalten Gebirgen Arkadiens eine Nymphe namens Syrinx. Sie war so schön, dass ihr zahlreiche Satyrn und Götter nachstellten. Aber Syrinx lebte als Anhängerin der jungfräulichen Göttin Artemis und verschmähte sie alle. So auch den Hirtengott Pan, der eines Tages durch ihre Schönheit auf sie aufmerksam wurde. Sie jedoch verschmähte seine Liebe und floh. Auf ihrer Flucht bat sie ihre Schwestern am Fluss Ladon, der ihr den Weg versperrte, dass man sie verwandeln möge. Und so geschah es: Bevor Pan sie ergreifen konnte, wurde Syrinx in Schilfrohr verwandelt. Der darüber enttäuschte Pan seufzte so heftig, dass sein Atem, der über das Schilf hinwegwehte, Klänge erzeugte, die wie Wehklagen klangen. Sogleich verband Pan unterschiedlich lange Schilfrohre mit Wachs miteinander und die Panflöte war erfunden.

Pan und Syrinx
Quelle: Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons

Io flieht durch die ganze Welt

Als die Geschichte beendet und Argos eingeschlafen war, enthauptete Hermes ihn. Hera schmückte mit den 100 Augen übrigens das Gefieder ihres Lieblingsvogels: Das des Pfaus.
Somit war die geliebte des Zeus befreit, doch Hera wollte dies nicht hinnehmen und schickte Io eine Rinderdassel, die sie durch die ganze Welt jagte. Das ist eine parasitäre Fliegenart, die bei Huftieren eine schwere Krankheit auslösen kann. Auf ihrer Flucht rannte und rannte die verfolgte Io durch die Welt und durchquerte Meere, bis Hera sich erbarmte und die Rinderdassel zurückrief. Inzwischen war Io im weit entfernten Ägypten angelangt.

Io, geliebte des Zeus, Nymphe
Quelle: Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons

Io – Ein Meer, eine Meerenge und ein Mond

Auf ihrer Flucht passierte die geliebte des Zeus in Kuhgestalt auch Teile der Meere, die dann sogar nach ihr benannt wurden.
Zum einen durchquerte sie den Bosporus. Das ist die Meerenge, die Europa von Asien und gleichzeitig den europäischen vom asiatischen Teil der heutigen Türkei voneinander trennt und quer durch die Stadt Istanbul verläuft. Bosporus bedeutet übersetzt so viel wie „Rinderfurt“ und bezieht sich darauf, dass Io diesen in der Gestalt einer Kuh überquerte.
Zum anderen durchschwamm sie auch das Ionische Meer, den Teil des Mittelmeeres zwischen Griechenland und der Türkei, welches deshalb nach ihr benannt wurde.
Aber nicht nur Teile der Meere wurden nach Io benannt: Auch der Jupitermond I des Planeten Jupiter – das ist Zeus‘ römischer Name – trägt ihren Namen. Er wurde bereits im Jahre 1610 von Galileo Galilei entdeckt und gehört zu den 4 großen Jupitermonden Io, Ganymed, Kallisto und Europa, die auch als Galileische Monde bezeichnet werden.

Io gebärt Epaphos

In Ägypten legte sie sich auf der Stelle nieder und begann zu jammern und zu klagen. Zeus, der ihre Klagen erneut hörte, bat Hera, die Kuh zurückverwandeln zu dürfen und versprach, dass er von nun an auch die Finger von ihr lassen werde. Hera erlaubte die Verwandlung und zurückverwandelt gebar Io Zeus‘ Sohn Epaphos. Diesen ließ Hera von den Kureten, den mit Waffen ausgestatteten Dämonen, entführen. Die hatten einst Zeus höchstpersönlich vor Kronos beschützt, indem sie sein gewaltiges Babygeschrei mit lauten Gesängen und Tänzen übertönten, sodass Kronos Zeus nicht finden konnte. Die Entführung seines Sohnes Epaphos veranlasste Zeus aber, die Kureten mit einem seiner Blitze zu töten. Die Nymphe Io fand ihren Sohn derweil bei der Königin von Byblos und brachte ihn nach Ägypten zurück. Dort wurde sie wie eine Göttin verehrt und herrschte zusammen mit ihrem Sohn. Er heiratete Memphis, die Tochter des Flussgottes Neilos und die beiden bekamen zwei Töchter: Libya, nach der das Land Libyen benannt ist, und Lysianassa.
Nach Ios Tod vermischten sich die Mythen um sie und die ägyptische Göttin Isis und so leiten sich ein paar Dinge des Isiskultes von der Verwandlungsgeschichte der Io ab.

Der Raub der Io durch die Phönizier

In seinen Historien beschrieb Herodot eine andere Version des Raubs der Nymphe Io: In dieser sei Ios Vater Inachos der König von Argos gewesen und einst seien Phönizier in die Stadt gekommen und hätten die Nymphe auf Grund ihrer Schönheit geraubt. Die Griechen übten daraufhin Vergeltung und raubten im Gegenzug die Tochter des phönizischen Königs Agenor, die Europa hieß. So wiegelte sich die Situation auf, immer weiter wurden Frauen geraubt wie z.B. Medea oder auch Helena, was den Trojanischen Krieg auslöste. Herodot beschreibt allerdings auch eine Darstellung, in der Io vom Kapitän des Phönizischen Schiffes schwanger gewesen sei. Um dem Zorn ihrer Eltern zu entgehen, sei sie freiwillig mit den Phöniziern mitgegangen.