Metis – Die erste Liebe des Zeus

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Quelle: Louvre Museum, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die Göttin des Scharfsinns und der List

Metis ist eine eher unbekannte Göttin der griechischen Mythologie. Ihre Tochter, die Göttin Athene oder auch ihren Ehemann, den Göttervater Zeus höchstpersönlich, kennst du sicherlich schon eher!
Metis war die Tochter des Titanen Okeanos und der Titanin und Meeresgöttin Tethys, die nach Hesiod die Nachfahren der Gaia und des Uranos sind. Okeanos und Tethys sind die Eltern aller Flussgötter und Okeaniden, von denen es jeweils rund 3000 gibt. Deshalb hat Metis auch rund 5999 Geschwister. Namentlich genannt werden allerdings nur 25 Flussgötter und 41 Okeaniden, wie etwa Metis selbst, Styx oder Elektra. Deshalb wird Metis auch als Okeanidin bezeichnet.
Ihr Name Metis, der aus dem Altgriechischen stammt, bedeutet auf Deutsch „kluger Rat“. Deshalb ist sie auch bekannt als Göttin des Scharfsinns und der List und es wird ihr nachgesagt, dass sie die weiseste unter allen Gottheiten und sterblichen Frauen gewesen sei. Außerdem besitzt sie, wie auch viele andere Götter die Fähigkeit, sich zu verwandeln. Diese Fähigkeit sollte ihr aber später zum Verhängnis werden.

Metis hilft Zeus beim Sturz des Kronos‘

Metis lernte Zeus, der sich sofort in sie verliebte und sie verführen wollte, in dessen jungen Jahren kennen. Er vertraute ihr dabei seine Herkunft an und dass er seine Geschwister aus dem Schlund seines Vaters Kronos befreien und diesen stürzen wollte, wie es von einem Orakel prophezeit worden war. Da Metis die Göttin des Scharfsinns war, bat er sie um Rat. Sie überlegte und riet ihm zu folgender List: Zeus solle ein Brechmittel von seiner Mutter Rhea zubereiten lassen und es in ein Getränk für Kronos mischen. Dieses solle er mit Honig süßen, damit Kronos das Brechmittel nicht schmecke und so geschah es: Zeus eilte sofort zu seiner Mutter Rhea und gemeinsam setzten sie den Plan in die Tat um. So war Metis maßgeblich am Sturz des Kronos und den darauffolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen, der sogenannten Titanomachie, zwischen den Olympiern und Titanen beteiligt.

Metis wird Zeus‘ erste Ehefrau

Nach der Zeit der langen Kriege – Zeus war noch immer in Metis verliebt – näherte er sich ihr wieder und hielt um ihre Hand an. Nachdem sie diese Liebschaft lange Zeit mit Hilfe ihrer Verwandlungskunst umgangen war, willigte sie schließlich in die Ehe ein und wurde auf diese Weise Zeus‘ erste Ehefrau. Deshalb ist nach ihr auch einer der 79 Jupitermonde (Jupiter ist in der römischen Mythologie der Name für Zeus.) benannt. Sie lebten in Idylle und Metis wurde, so heißt es, mit Zwillingen schwanger. Das Leben hätte nicht schöner für sie sein können, bis Gaia und Uranos Zeus in einer Prophezeiung weissagten, dass eine ihm geborene Tochter ihm ebenbürtig wäre und ein Sohn ihn stürzen würde.

Zeus überlistet Metis

Zeus bekam Angst, dass er seine Macht verlieren könne und damit dies nicht geschah, überlegte er sich eine List: Er forderte Metis zu einem Verwandlungs-Duell heraus, auf das sie sich nichtsahnend einließ. Nach allen Regeln der Kunst verwandelte sie sich in alle möglichen Tiere, bis sie schließlich zu einer Fliege wurde. Blitzschnell verschlang Zeus sie und mit ihr ihre ungeborenen Kinder.
Eine andere Erzählung des Mythos besagt, dass Zeus zunächst die Prophezeiung erhielt, dass ein von Metis geborener Sohn ihn stürzen werde, wie er einst seinen Vater, woraufhin Zeus Metis in ihrer Fliegengestalt verschluckte, bevor sie überhaupt schwanger war. Sie wurde demnach erst in seinem Körper schwanger mit zwei Kindern, einem Mädchen und einem Jungen, und wanderte daraufhin durch Zeus‘ Blutbahnen bis in seinen Kopf, um ihm Kopfschmerzen zu bereiten.

Die Kopfgeburt – Die Göttin Athene wird geboren

Beiden Versionen gemeinsam ist, dass Zeus einige Monate nach dem Verschlingen der Metis heftige Kopfschmerzen plagten. Daraufhin rief er Hephaistos, den Gott der Schmiedekunst und des Feuers, zu sich. Er sollte ihm den Kopf mit Hilfe seines Schmiedehammers spalten und nachschauen, was ihm solche Schmerzen bereitete. Nach anfänglichem Zögern geschah dies und eine junge Göttin sprang in voller Rüstung und bewaffnet aus dem Kopf ihres Vaters. Es handelte sich um die Göttin Athene.

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Quelle: Louvre Museum, Public domain, via Wikimedia Commons

Eine Mythosversion besagt, dass auch Metis nun wieder frei war, von Zeus allerdings nichts mehr wissen wollte, da sie ihn für genauso machtgierig hielt wie seinen Vater Kronos. Ob sie nun sicherheitshalber getötet wurde, damit sie nicht doch noch einen Sohn von Zeus gebären konnte oder ob sie sich einfach von Zeus fernhielt, ist nicht klar, doch ihr Sohn wurde nie geboren. Die wahrscheinlichere Version ist aber, dass Metis in Zeus‘ Schlund verblieb und er damit ihre Scharfsinnigkeit, Weisheit und Klugheit erwarb.